Die Geister die ich rief | Kunstverein Zweibrücken | 2011

Robinson Crusoe gibt ein schönes Beispiel für das Verhalten eines gestrandeten
und einsamen Menschen. Nachdem er sich auf einer menschenleeren lnsel eine
notdürftige Behausung zusammen gebaut und seinen Hunger gestillt hatte,
suchte er nach geeignetem Rohmaterial, das er mit selbst gefertigten Werk-
zeugen bearbeitete und zu einem homomorphen Gebilde formte. Das war Iange
Zeit vor seiner Begegnung mit Freitag. Als zivilisierter Mensch, der ein Gemein-
schaftswesen ist, schuf sich Robinson ein Gegenüber, mit dem er kommunizieren
konnte. lndem er Gedanken, Vorstellungen und Wunschbilder auf das bearbei-
tete Material übertrug und hineinsah, sogar mit ihm redete, verwandelte er das
Material in ein Idol oder in einen Fetisch. Durch seine Projektionen verlieh er ihm
Bedeutung und gab ihm einen Zweck. Durch ständigen Umgang mit diesem
selbstgeschaffenen Idol oder Fetisch verlieh er ihm sogar Macht. Dennoch fand
er in dieser auf Projektion basierenden Kommunikation ein kleines Glück. Für
Robinson war sie eine Überlebensstrategie, mit der er sein Ausgeschlossensein
kompensieren konme. Den späteren Verlust seines Idols empfand er als beson-
ders schmerzlich. Robinson hatte es bis hin zur ldolatrie getrieben.
Mit einer einfachen zeichenhaften Einblendung macht Stefan Rinck auf diesen
Zusammenhang aufmerksarn und nimmt Bezug zur beschriebenen Situation, Es
ist eine kleine Skulptur von einem lnselstück mit Palme. Archetypisch, fremd und
vertraut zugleich, eigenwillig in der Formgebung, schräg und skurril, bildet die
ses lnselstück den Auftakt für eine ganze Reihe von Projektionen und Trugbil
dern des modernen Menschen, mit denen dieser inmitten der Zivilisation sich
seine eigenen kleinen Welten einrichtet. Davon berichtet dann die Ausstellung
mil einer Fülle von geheimen Verführern und Dämonen.
Stefan Rinck entwickelt sein Werk in der Auseinandersetzung mit Figuren aus
Büchern und der medialen Welt von Film, Fernsehen, Computersimulation und
Werbung als Reservoir an Motiven und Motivationen. Er greift Mythen, Zeichen
und Symbole auf, weil sie so oft hinter den Dingen stecken und läßt diese
wiederum von Dämonen ergreifen, die mit ihnen ihre Machlspielchenen demons-
trieren. Der Versuchung des heiligen Antonius gleich läßt Stefan Rinck eine
kleine Armee raffgieriger und Besitz ergreifender Dämonen aufmarschieren. Sie
treten ins Erscheinungsbild von Zwergen, Schlümpfen, TeleTubbies, sie haben
etwas Triviales wie Archetypisches, sind skurril und grotesk.

Dr. Jürgen Ecker